
Der Dichter Oscar Wilde reiste niemals ohne sein Tagebuch: «Man sollte immer etwas Sensationelles im Zug zu lesen haben.» Das Niederschreiben von Gedanken und Gefühlen war Jahrhunderte hindurch eine bewährte Methode, sich von Sorgen zu befreien, und sein Innenleben wie vor einem Spiegel auszubreiten. Die meisten Menschen würden heute nach wenigen Worten einen Krampf in der Schreibhand erleben. Deshalb kommt diese Erkenntnis zur rechten Zeit: Emojis haben eine heimliche Gesundheitswirkung!
Was sind Emojis?
Gemeint ist die Vielzahl von Zeichenfolgen, die einen Smiley in allen möglichen Gemütsverfassungen nachbilden. Immer mehr Menschen verwenden sie beim Texting, um die Aussage ihrer Worte zu unterstreichen oder um einfach blitzschnell durch Tastendruck hinzuzufügen, wie sie sich fühlen. Von «Hallo, heute bin ich wirklich gut drauf!» bis «Alles so besch …»
Die kreativen Bildschriftzeichen (Emoji) wurden von dem Japaner Sigetaka Kurita erfunden, der 1999 mit nur wenige Pixel großen grafischen Darstellungen experimentierte. Daraus entstanden schließlich die belieben Emojis. Mittlerweile gibt es etwa 1.800 verschiedene Zeichen, die weltweit von Smartphone-Nutzern verwendet werden.
Versteckte Gesundheitswirkung
Moderne Soziologen zweifeln nicht daran, dass auch diese neue Art, Gefühle zu teilen, mit gesundheitlichen Benefits verbunden ist und gehen noch einen Schritt weiter. Auf diese Weise entsteht eine untrügliche Dokumentation unserer Emotionen. Ein Blick zurück in die Daten eines Smartphones verrät, wohin die Entwicklung geht. Auffallend oft müde donnerstags? Warum immer ängstlich am Montag? Werden unterm Strich mehr oder weniger lächelnde Smileys verschickt?
Elektronische Gefühls-Datei
Die Emoji-Forschung steckt noch in den Kinderschuhen. In einer Studie aus dem Jahr 2016 identifizierten Forscher einige Persönlichkeitsmerkmale, die mit der Verwendung von Emojis zusammenhängen. Dabei stellte das Psychologen-Team u.a. fest, dass Menschen, die häufig Emojis benutzten, offener für soziale Interaktion und einfühlsamer waren, wodurch sie zugänglicher wurden. Laut Linda K. Kaye, eine der Studienautoren, sei die Verwendung von diesen Bildschriftzeichen die einzige Option, wenn Menschen in Zukunft produktiv interagieren möchten.
Demnach könnten jene, die sich davor verschließen, nicht effektiv kommunizieren, und keine emotionale Reaktion bei ihrem Kommunikationspartner hervorrufen. Sogar beim Online-Dating seien Emojis von großer Bedeutung. So würden sich bessere Übereinstimmungen zwischen Menschen zeigen, die öfter Emojis in ihre Nachrichten integrieren, und dass Emoji-Benutzer eher den Bund fürs Leben schließen möchten. Der Artikel wurde in der Zeitschrift Trends on Cognitive Sciences veröffentlicht.